– Eintrittspreis Museum 7.00 € –

Aktuell im Museum

Andreas Harms

Welt im Fokus

Andreas Harms, 1957 in Hamburg geboren, fand seinen Weg zur Fotografie nicht über die Technik, sondern über die Begegnung. Als junger Mensch lernte er in England einen Japaner kennen. Diese flüchtige, beinahe zufällige Bekanntschaft, öffnete ihm jedoch ein ganzes Weltbild. Der Besuch in Tokio, der, darauf folgte, ließ ihn eintauchen in eine fremde Kultur, deren Rhythmus, Kontraste und Stille ihn nicht mehr losließen. Aus dieser Erfahrung erwuchs sein Studium der Japanologie an der Universität Hamburg und später ein fotografischer Blick, der stets das Verborgene im Offensichtlichen sucht.

Beruflich war Harms viele Jahre im Vertrieb verschiedener japanischer

Unternehmen tätig, die ihn regelmäßig hinaus in die Welt führten. Die frühe Veröffentlichung seiner Fotos im Knaur Kulturführer Japan war ein erstes sichtbares Echo seines künstlerischen Weges. Von dem Honorar kaufte er seine erste Leica M, ein perfektes Instrument, das ihn lehrte, im richtigen Moment dem Licht zu vertrauen. Später kam eine Canon Ausrüstung hinzu, die er ebenso selbstverständlich für jene Straßen und Augenblicke nutzt. Sein liebstes Objektiv ist heute ein 24–85 mm Zoomobjektiv geworden, als erweiterte Standardbrennweite ideal für jene Situationen, in denen das Leben ungestellt erscheint.

Seine Fotografien kreisen um die Magie des Moments, um Orte, die sich erst im zweiten Blick öffnen, und um Menschen, deren Wesen im Schatten wie im Licht sichtbar wird. Jede Bildkomposition ist für ihn der Versuch, Welt nicht nur abzubilden, sondern zu begreifen.

Mehr als 54 Länder hat Harms bisher bereist, stets begleitet von einer

Kamera, die für ihn weniger Werkzeug als Kompass ist. Seine fotografischen Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, in Deutschland wie auch im europäischen Ausland ausgestellt und in zahlreichen Publikationen präsentiert – darunter in Buchform, auf Websites, in Kalendern und in internationalen Magazinen wie National Geographic. Viele seiner Bilder sind über renommierte Fotoagenturen wie Getty Images und 500px weltweit verfügbar und finden sich in Australien, Brasilien, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Israel, Italien, Südafrika, Spanien, der Schweiz, Taiwan und den USA.

Heute lebt und arbeitet Andreas Harms als ambitionierter Fotograf in der

Nähe von Hamburg. Sein Werk ist geprägt von der Suche nach besonderen Momenten, kulturellen Begegnungen und der Faszination für das Alltägliche im Außergewöhnlichen.

Marco Boehm und Johannes Binn

Barrieren begreifen – Brücken beschreiten

Barrieren begreifen – Brücken beschreiten

Fotoausstellung von Johannes Binn und Marco Boehm

Unser Leben steckt voller Barrieren und Hindernisse. In der scheinbaren Normalität der Masse werden sie häufig übersehen oder unreflektiert umgangen. Doch was geschieht, wenn das Verstecken nicht mehr gelingt? Wenn das Anders-Sein sichtbar wird – nicht als Defizit, sondern als Einladung zum Hinschauen?

Die Fotografen und Pädagogen Johannes Binn und Marco Boehm stellen sich in ihrer gemeinsamen Ausstellung dieser Frage mit eindringlicher Ruhe. In großformatigen Schwarz-Weiß-Porträts zeigen sie „Menschen mit Behinderung“ ohne Filter, ohne Pose, ohne Mitleid. Sie nehmen die Geschwindigkeit aus der Wahrnehmung und eröffnen Räume, in denen Betrachtende verweilen, spüren und sich selbst begegnen können.

Die Ausstellung „Barrieren begreifen – Brücken beschreiten“ ist eine Einladung, die eigene Schamgrenze zu überschreiten und neue Perspektiven auf das vermeintlich Gewöhnliche zu gewinnen. Sie zeigt Menschen, die nicht in Schubladen passen, und macht sichtbar, wie vielfältig menschliche Würde und Lebensfreude sein können.

Die Werke sind in korrespondierenden Bildpaaren angelegt. Das eine Foto erzählt die Geschichte einer persönlichen Barriere – physisch, kommunikativ, sozial oder emotional. Das andere Foto, eine Nahaufnahme, blickt direkt in das Gesicht des Portraitierten. Zwischen beiden Bildern spannt sich ein stiller Dialog, der den Betrachter auffordert, nicht nur zu sehen, sondern zu verstehen.

Inhaltlich greift die Ausstellung Themen wie körperliche Grenzen, gesellschaftliche Tabus, persönliche Wünsche und Träume auf. Sie zeigt, dass Teilhabe kein Gnadenakt, sondern ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist – das Bedürfnis, „sich normal verhalten zu dürfen“.

„Jeder Mensch besteht aus Millionen von Farben, wird aber regelmäßig in schwarz oder weiß eingeteilt“, sagen die Künstler. „Deshalb haben wir uns bewusst für den Kontrast entschieden – für die Zwischentöne im Schatten und im Licht.“

Zur Ausstellung erscheinen begleitende Texte, die Lebenswirklichkeiten und Gedanken der Portraitierten einbeziehen. Dabei geht es nicht um eine reine Dokumentation, sondern um Beziehung, Resonanz und die Kunst, sich gegenseitig im Anderssein zu erkennen.

Persönliche Führungen durch die Ausstellung werden sowohl von den Fotografen als auch von einigen der Portraitierten angeboten. Sie ermöglichen einen unmittelbaren, authentischen Austausch und öffnen den Blick hinter die Kulissen des künstlerischen Prozesses.

Ausstellungseröffnung:
Dienstag, 6. Januar 2026, 14:30 Uhr
Haus der Fotografie

Laufzeit: 6. Januar bis 3. Mai 2026

Simone Sander

Stille Welten

Die Fotografien von Simone Sander sind keine bloßen Abbilder der Realität; sie wirken wie eine moderne Renaissance der Neuen Sachlichkeit. Mit einer Präzision, die an die kühle Avantgarde der 1920er Jahre anknüpft, erkennt und isoliert sie im flüchtigen Augenblick jene Strukturen aus Licht, tiefen Schatten und strenger Geometrie, die dem Chaos der Welt eine zeitlose Ordnung verleihen.

Ein Großteil dieser Werke entstand in Stuttgart. Doch statt bekannter Panoramen fängt Sander jene Momente ein, in denen Architektur und Leben unmittelbar kollidieren. Dabei folgt ihr Werk einer Erkenntnis, die bereits Saul Leiter formulierte: Dass es nicht darauf ankommt, wo man ist, sondern was man sieht. Sander beweist, dass das Besondere direkt vor der eigenen Haustür liegt – man muss nicht um die Welt reisen, um eine tiefe grafische Wahrheit zu entdecken. Später erweiterte sich dieser instinktive Blick um die meditative Weite der Nord- und Ostsee sowie des Atlantiks.

Sander nutzt das vorhandene Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern begreift es als architektonisches Element, um Räume rein fotografisch neu zu definieren. Ihre Bildsprache ist eine Hommage an die Ästhetik des Film Noir: Harte Kontraste treffen auf gleißendes Licht; eine tiefe Schwärze verschluckt das Unwesentliche und konzentriert den Blick auf den Kern der Szene. Dabei setzt sie Spiegelungen und Fensterscheiben meisterhaft ein, um die Welt direkt durch die Linse in komplexe visuelle Ebenen zu brechen – ein Sinnbild für die Schichten unserer eigenen Wahrnehmung.

In dieser bühnenhaften Kulisse wirken die Passanten wie Akteure in einem Raum aus Licht und Schatten – oft in sich gekehrt, aber immer von einer würdevollen Ruhe umgeben. Ihre Fotografien beobachten aus der Distanz, doch dieser Blick ist nie kalt. Innerhalb der gefundenen visuellen Ordnung offenbart sich vielmehr ein weites emotionales Spektrum, das zum gedanklichen Verweilen einlädt. Was auf den ersten Blick wie kühle Strenge wirkt, entpuppt sich als Resonanzraum für eine leise, tiefsinnige Poesie.

Simone Sander bricht die Ernsthaftigkeit ihrer Kompositionen immer wieder auf feinsinnige Weise: Inmitten der strengen Grafik blitzt oft ein hintergründiger Humor und ein skurriler, fast verschmitzter Witz auf. Es sind die kleinen, absurden Zufälle des Alltags, die sie meisterhaft entlarvt und die ihren Arbeiten eine zutiefst menschliche, lebensbejahende Note verleihen.

Lange Zeit dominierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen ihr Werk als reinste Form der Abstraktion. Seit vier Jahren integriert Simone Sander auch Farbe – jedoch nie als nachträgliche Dekoration, sondern unter Beibehaltung ihrer radikalen grafischen Klarheit, die den emotionalen Gehalt der Bilder unterstreicht.

Bewusst verzichtet die in Ostfildern lebende Fotografin auf Titel. Sie gibt keine Lesart vor. Ihre Bilder sind Projektionsflächen: Ohne lenkende Worte ist der Betrachter eingeladen, in den Spiegelungen und Schatten seine eigenen Gefühle und Gedanken zu entdecken. Das Werk vollendet sich erst im Auge des Gegenübers. Es ist diese reduzierte, klare Bildsprache, die das unbändige Chaos des Daseins bändigt und in eine visuelle Ordnung übersetzt – uninszeniert, aus dem Moment heraus und von einer eindringlichen, poetischen Kraft.

https://www.instagram.com/simonesander2/

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