Guido Klumpe – „Urban Essence“
Text von Wolfgang Zurborn
Guido Klumpe hat eine ganz eigene fotografische Bildsprache entwickelt, die sich virtuos auf der Schnittstelle zwischen Abstraktion und Narration bewegt. Ansichten auf städtische Architektur in extremer formaler Verdichtung werden Blicken auf das städtische Leben im Stil der Street Fotografie gegenübergestellt. Gerade die Kombination dieser beiden sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen des Urbanen macht den besonderen Reiz dieser Arbeiten aus. Sie lösen sich ab von dem Anspruch, ein realistisches, eindeutig zu interpretierendes Bild der Welt zu schaffen. Ganz im Gegenteil kreieren sie ein radikal subjektives visuelles Konstrukt, das die Fantasie und Vorstellungskraft der Betrachter*innen stimuliert.
Nicht das Faktische hat für den Künstler die erste Priorität sondern das Imaginäre. Dieses wird aber nicht durch künstliche Intelligenz oder andere artifiziellen Verfremdungen erzeugt, sondern durch einen präzisen Blick auf das Alltägliche, auf das, was für uns normalerweise keine besondere Bedeutung hat. Die konsequente Abstraktion in den sehr fragmentarischen Bildern gibt den Formen, Linien, Oberflächen und Farben eine ganz eigene Wirkungskraft. Sie erscheinen zum Teil wie Malerei.
Die rhythmische Abfolge im Fluss der Bilder lässt eine Choreografie im städtischen Geschehen sinnlich erfahrbar machen, die in ihrer Klarheit die Betrachter*innen mitnimmt auf die Reise in eine komplexe Vision des Urbanen.
Die Entrückung aus jeder Zeitlichkeit bei den abstrakten Bildern prallt auf die Erfassung einer flüchtigen Momenthaftigkeit bei den Street Fotografien.
Losgelöst von einer rein logisch bestimmten Sicht der Welt wird eine Wahrnehmung ermöglicht, die ein breites Spektrum von Emotionen zulässt und dabei auch das Unerwartete und nicht Planbare mit einbezieht. Mit einem feinen Sinn für Humor werden Absurditäten des urbanen Lebens in visuell komprimierter Form pointiert eingefangen.
Wenn man die sehr präzise komponierten Bilder von Guido Klumpe sieht, ist man erstaunt, zu erfahren, dass der Künstler eine starke Sehbehinderung hat. Auf dem linken Auge ist er von Geburt an blind und auch die Sehfähigkeit des rechten Auges ist mit 25% stark eingeschränkt. Es ist ein großes Glück, dass er allen demotivierenden Ratschlägen trotzte und seiner künstlerischen Identität gefolgt ist. Die Sehbehinderung ist für Guido Klumpe keine Beschränkung bei der Gestaltung von Aufnahmen, die in dem Bruchteil einer Sekunde die äußere Welt und innere Vorstellungen von ihr zur Deckung bringen. Er hat ein feines Gespür dafür entwickelt, seiner ganz individuellen, sehr ungewöhnlichen Wahrnehmung der Welt eine Form zu geben, die ein breites Publikum dafür begeistern kann, ihm in seine Essenz des Urbanen zu folgen.
Guido Klumpe
Der international erfolgreiche und sehbehinderte Fotokünstler aus Hannoverzeigt die Skurrilität und verborgene Schönheit unserer Städte. Guido Klumpe erschafft minimalistische Fotografien, die urbane Architektur in abstrakte, fast malerische Bildwelten verwandeln. Durch Reduktion, ungewohnte Perspektiven und eine bewusste Komposition hinterfragt er unsere gewohnte Wahrnehmung von Raum und Realität.
Seine starke Sehbehinderung ist ein Faktor für seine künstlerische Arbeit: Für Klumpe liegt die Kraft der Fotografie nicht im Sehen selbst, sondern im gestaltenden Erfassen des
Sichtbaren. Seine Bildsprache befindet sich zwischen Abstraktion und Narration. Verdichtete Ansichten urbaner Architektur treffen auf Momentaufnahmen im Stil der Street Fotografie. Diese ungewöhnliche Kombination eröffnet neue Perspektiven auf das Urbane – fern von dokumentarischer Realität, nah an subjektiver Imagination. Es entstehen visuelle Konstrukte, die Fantasie und Vorstellungskraft der Betrachtenden anregen. Mit präzisem Blick auf das Alltägliche entstehen Bilder inspiriert von Franco Fontana, Saul Leiter oder Piet Mondrian.
Formen, Linien, Farben und Oberflächen entfalten eine eigene Wirkungskraft. Sein Werk ermöglicht einen neuen, poetischen Blick auf das Alltägliche – überraschend, humorvoll und voller
visueller Spannung.
Guido Klumpe ist ein Fotokünstler mit einer ungewöhnlichen Perspektive – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Von Geburt an auf dem linken Auge blind, verfügt er auf der rechten Seite über lediglich 25 % Sehvermögen. Seine Wahrnehmung ist zweidimensional, arm an Details, reich an Eigenart. Der Wunsch, Kunst und Fotografie zu studieren, scheiterte an bürokratischer Hürden – seine Sehbehinderung führte zur formalen Ablehnung. Er schlug zunächst einen anderen beruflichen Weg ein, doch seit 2017 hat er seine intensive fotografische Arbeit wieder aufgenommen und erstellt Fotoserien, die heute internationale Anerkennung finden. Seine Fotografien wurden vielfach international ausgezeichnet, publiziert und in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und prämiert, unter Anderem auf der NordArt, der Photo Kiev Fair, der Artnow Galerie in Berlin, ImageNation Paris und New York, wie dem Xposure Festival in Dubai. Er gewinnt regelmäßig Preise, wie beim Minimalist Photography Awards, dem Fine Art Photo Awards oder dem Urban Photo Awards.
„Es ist nicht entscheidend, wieviel man sieht. Es ist entscheidend, wie man sieht – und das Gesehene zeigen kann.“
KOMMENDE AUSSTELLUNGEN:
• 13.09. – 10.10.: „Gelenkter Zufall“, Doppelausstellung
mit Anna Beller, Galerie im Stammelbach-Speicher, Hildes
heim
• 21.10. – 02.11. „Architecture of the unseen“, Gruppenaus
stellung, Galeria Parter Palat, Bukarest, Rumänien
• 07.02. 2027 – 12.03.2027 Kunstverein Gehrden
• 09.04. 2027 – 06.06. 2027 Städtische Galerie Lehrte
Weitere Informationen, limitierte Drucke und
Workshops finden Sie auf:
Guido-Klumpe.de
instagram.com/guido_klumpe